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System Change, not Climate Change!

Umweltpolitik weltweit & an deiner Schule

Waldbrände in Australien und Kalifornien. Schmelzende Eiskappen am Nord- und Südpol. Überschwemmte Küstenregionen auf der ganzen Welt. Verdorbene Ernten rund um den Äquator. Eines ist klar: Wir befinden uns mitten in einer Krise. Wenn nicht sofort gegengesteuert wird, sind irreversible Schäden für die ganze Weltbevölkerung, vor allem aber für Menschen in prekären Lebensverhältnissen, unumgänglich. Schon eine weltweite Erwärmung von nur 2°C kann ganze Städte in die Versenkung treiben, zahllose Tierarten und Lebensräume ausrotten und tausenden Menschen das Leben kosten. Wir müssen handeln, und zwar sofort.

Seit nun fast zwei Jahren sind Jugendliche auf der ganzen Welt wöchentlich auf den Straßen und stehen für ihre Zukunft ein. Um eines klarzustellen: Großkonzerne und alte Politiker_innen aus westlichen Ländern haben nichts zu befürchten. Sie werden sicher nicht mehr direkt von den Schäden des Klimawandels betroffen sein. Wen es trifft, sind Personen aus Entwicklungsländern, die in armen Verhältnissen leben müssen, vor allem Frauen* sind von den Auswirkungen stark betroffen. Auch für uns junge Menschen wird die Krise bald drastische Folgen haben. Deswegen müssen wir diejenigen sein, die aufstehen, laut sind und uns wehren. Profitgier und kapitalistische, klimawandelleugnende Politik sind nicht mehr länger tragbar. Deswegen braucht es politische Forderungen:

  • Faire Besteuerung von Großkonzernen
  • Ausstieg aus fossilen Energiequellen wie Öl, Gas und Kohle
  • Implementierung der Klimakrise und Systemkritik in den Lehrplan
  • Kerosinsteuer für Flugkonzerne
  • Ausbau und kostenloser Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln
  • Nein zum EU Freihandelsabkommen Mercosur

Eines haben wir jedoch gemeinsam mit den westlichen Entscheidungsträger_innen, Billionär_innen und CEOs der Großkonzerne: Jede_r Konzernleiter_in, jede_r Bildungsminister_in, jede_r Arbeiter_in drückt eines Tages die Schulbank. Und wenn alle heute eine gute Bildung erfahren, kann die Gesellschaft von morgen eine bessere sein. Der Schlüssel zu funktionierender Klimapolitik müssen sofortige politische Maßnahmen und flächendeckende Bildungsarbeit und Sensibilisierung sein. Ersteres wollen wir auf den Straßen, in der Politik und im Klassenzimmer lautstark einfordern. Zweiteres liegt in der Verantwortung von uns allen. Denn unsere Schulen brennen genauso wie unser Planet. Klimaschutz wird nicht flächendeckend in unserem Bildungssystem behandelt. Deswegen wollen wir durch Workshops und Maßnahmen an einzelnen Schulstandorten darüber aufklären. Weiter unten findet ihr Tipps und Tricks, wie ihr eure Schule umweltbewusster gestalten könnt.

Trotz all dem möchten wir festhalten, dass es nicht unsere Schuld ist, dass wir uns in der Klimakrise befinden. Es sind Politik und Wirtschaft, die jahrelang immer Profit statt Mensch gewählt haben. Eine Statistik belegt, dass 70% aller CO2-Emissionen weltweit von nur 100 Konzernen verursacht werden. Hier wird klar: Es sind nicht Individuen, die diese Krise vorantreiben.

Klimaschutz muss immer für alle leistbar sein. Vegan zu sein und im Biomarkt einzukaufen ist keine schlechte Sache, aber nicht für jeden Mensch umsetzbar. Der Weg aus der Krise muss Hand in Hand mit sozialer Gerechtigkeit geschehen und darf keine Mehrkosten für sozioökonomisch Schwächere haben.

Indigene Bevölkerung und der Klimawandel

Beim Kampf gegen die Klimakrise geht es auch darum sich ständig fort- und weiterzubilden und Wissen zu verbreiten. Denn Bildung ist der Schlüssel für echtes Bewusstsein. Hier ein paar Informationen von indigener Bevölkerung und dem Klimawandel:

Indigene Völker stehen beim Klimawandel an vorderster Front

Sie leben in Regionen der Welt, in denen die Auswirkungen von Klimawandel am stärksten zu spüren sind. Der Lebensunterhalt, die Kultur und das Leben sind oft größtenteils oder auch ausschließlich von der natürlichen Umgebung abhängig.

Indigene Völker werden zudem von Versuchen, den Klimawandel aufzuhalten, bedroht.

  • Die Guarani in Brasilien verlieren ihr Land an Zuckerrohr, das zu Ethanol verarbeitet wird. Dies ist Teil eines Versuchs der Regierung Brasiliens Energieressourcen umweltfreundlicher zu gestalten und den Klimawandel zu bekämpfen.
  • Die Penan und andere indigene Völker in Malaysia werden von ihrem Land vertrieben, um Platz für Staudämme zu schaffen. Diese Dämme werden von der dortigen Regierung als „im Einklang mit den Zielen für eine Reduzierung und Eindämmung der globalen Erwärmung“ gefördert.
  • Die Ogiek in Kenia mussten ihre Häuser im Mau Wald aus Gründen der Walderhaltung verlassen. Kenias Premierminister bezeichnete die Vertreibungen als Schlüssel zur „Rückgängigmachung der Zerstörung“ durch die globale Erwärmung.

Von der Kalahari Wüste bis hin zum Amazonas über die Arktis: Die dort lebende indigene Bevölkerung ist häufig von den Regenperioden, den Wäldern und dem tropischen Klima oder den Eisbären und Seelöwen abhängig. Ohne sie fehlt ihnen eine wichtige Komponente für ihr Leben – und vor allem für ihr Überleben.

Regierung in der Verantwortung

Weltweit gibt es nach Angaben der „Gesellschaft für bedrohte Völker“ (GfbV) rund 5.000 indigene Völker mit etwa 450 Millionen Angehörigen. Ihr Überleben ist in vielen Ländern auch durch skrupellose Großgrundbesitzer_innen, ambitionierte Projekte zur Öl-, Gas- und Kohleförderung, die Errichtung von Staudämmen, die Ausbeutung wertvoller Bodenschätze, rücksichtslosen Holzeinschlag, aber auch Drogenschmuggel und Bürger_innenkrieg bedroht.

Die Auswirkungen des Klimawandels jedoch lassen es nicht zu, ihren natürlichen Lebensraum zu erhalten. Obwohl sie am wenigsten zum Klimawandel beitragen und oft sogar dem Ökosystem in ihrer Umgebung helfen, werden sie von der dortigen Regierung vertrieben mit dem Grund, sie müssten klimafreundliche Systeme installieren. Diese Systeme mögen die Gashausemissionen zwar reduzieren, doch verursachen die Reduktion von Biodiversität, Essenskontrolle usw.

Risiken für indigene Völker

Die Anpassungsfähigkeit der indigenen Völker zu steigern ist nur in Kombination mit anderen Strategien wie Katastrophenvorbereitung, Umwelterhaltung und staatliche Pläne für eine nachhaltige Entwicklung möglich. Denn oft erfordert es finanzielle Ressourcen und andere Adaptionen beziehungsweise Adaptionsfähigkeiten, die sie nicht besitzen.

Indigene Völker, die gezwungen werden aus ihrem traditionellen Land zu emigrieren, stehen oft vor einer Mehrfachdiskriminierung: unter anderem als Migrant_innen und indigene Menschen. Aufgrund von plötzlicher Migration sind sie oft nur auf irreguläre Wege limitiert, Trafficking, Schmuggeln; und haben generell sehr begrenzte Möglichkeiten, um informierte Entscheidungen zu treffen. Deforestation, also Abholzung, drängen einige Völker dazu, in Städte zu ziehen, wo sie wiederum in schlechte Verhältnisse geraten können und oft unter unmenschlichen Umständen leben müssen.

Das Konzept der Umweltschule

Das Umweltzeichen ist ein Zertifikat, das allen Schulen, von der Volksschule bis zur Hochschule, in Österreich vom Bildungsministerium für Umwelt und dem Bildungsministerium für Bildung verliehen werden kann. Das seit 2002 erwerbbare Abzeichen stellt sicher, dass Schulen ökologisch funktionieren und handeln. Die Schulen werden „für ihr besonderes Engagement in den Bereichen umweltorientiertes Handeln, Förderung der Gesundheit, und Bildung für nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet.“ Die Schulen erhalten mit dem Erwerb des Abzeichens nicht nur den Status einer klimagerechten Schule, sondern auch finanzielle Förderungen.

Dieses Abzeichen zu erwerben, ist kein allzu einfacher Prozess und zieht sich normalerweise über mehrere Jahre hinweg. Jedoch kannst du als Schüler_innenvertreter_in maßgeblich daran teilhaben und den Prozess der Erwerbung leicht ins Rollen bringen. Als Schüler_innenvertreter_in kannst du den Vorschlag, Umweltschule zu werden, einfach im Schulgemeinschaftsausschuss einbringen und gemeinsam mit der Lehrpersonen- und Elternvertretung und deiner_m Direktor_in das Projekt in die Wege leiten. Eine gute Übergabe an die nächstjährige Generation der Schüler_innenvertretung deiner Schule ist in dem Fall umso wichtiger, damit ein solches Projekt auch aufrecht erhalten werden kann.

Ganz grundsätzlich wird nach dem Verleih des Umweltzeichens alle vier Jahre von einer Kommission nachkontrolliert, ob alle Anforderungen noch immer eingehalten werden und wird nach positivem Bescheid wieder verliehen.

Das Umweltzeichen fokussiert sich auf folgende Teilbereiche:

  • Umweltmanagement und soziale Schulentwicklung
  • Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung
  • Gesundheitsförderung, Ergonomie und gesunde Ernährung
  • umweltverträglicher Einkauf (z.B.: Bürobedarf, Lebensmittel, Reinigungsmittel)
  • sparsamer Ressourceneinsatz (z.B.: Wasser, Energie, Büromaterial)
  • Maßnahmen zur Abfallvermeidung und -verwertung
  • Initiativen für eine umweltverträgliche Mobilität
  • Gestaltung und Pflege des Schul-Außenbereiches

Zu diesen Teilbereichen sind Muss- und Soll-Kriterien formuliert, die deine Schule in gewisser Form erfüllen muss. Die Muss-Kriterien sind für den Erhalt des Abzeichens essenziell. Dabei sind die Muss-Kriterien zu einem großen Teil Analysen der verschiedenen Teilbereiche und eine Reflexion darüber, wie das Thema Umwelt an der eigenen Schule eingebaut ist. Neben den Analysen ist auch die Einbindung der Schüler_innenvertretung, die Ernennung einer verantwortlichen Person an der Schule und die Verbesserung der öffentlichen Mobilität und Anbindung der Schule ein Teil der Muss-Kriterien.

Die Soll-Kriterien sind in ein Punktesystem gegliedert, bei dem für die Erstauszeichnung 50 Punkte (für Kleinstschulen und Berufsschulen 40 Punkte) erreicht werden müssen. Für die erneute Rezertifizierung nach 4 Jahren sind 85 Punkte (für Kleinstschulen und Berufsschulen 75 Punkte) notwendig. Insgesamt sind 143 erreichbare Punkte möglich. Bei den Soll-Kriterien handelt es sich um ein breit gefächertes Angebot an Projekten, wie etwa:

  • Das Erstellen eines gesamten Umweltteams an der Schule (kann aus Lehrpersonen, Elternvertreter_innen oder Schüler_innen bestehen und ist in die Teilbereiche gegliedert)
  • Barrierefreie Schule
  • Weiterbildung der Lehrpersonen im Bereich Nachhaltigkeit
  • Auseinandersetzung mit dem Thema Inklusion
  • Klimaneutrale Gebäudestandards
  • Gut ausgebaute Spiel- und Pausenplätze
  • Maximal 20% des Schulgeländes für Parkplätze
  • Ergonomische Möbel in den Klassen
  • Verwenden von recycelten Materialien
  • Regionales, saisonales und gesundes Verpflegungsangebot

Eine vollständige Liste der Kriterien kann auf der Seite des Umweltzeichens (umweltzeichen.at) eingesehen werden. Der Link zu der vollständigen Liste: https://www.umweltzeichen.at/file/Richtlinie/UZ%20302/Long/Uz302-Bildungseinrichtungen_Richtlinie_R4.1a_2019.pdf

Die Umweltschule ist natürlich auch keine Lösung für den Klimawandel, jedoch schafft es ein enormes Bewusstsein unter den Schüler_innen, Lehrpersonen und anderen schulinternen Personen und sensibilisiert damit die Gesellschaft von morgen im Bereich Klimaschutz maßgeblich.

Abschließend muss natürlich klar sein, dass kein Glasflaschenautomat, kein Fahrrad und auch kein veganes Mittagsmenü alleine die Klimakrise aufhalten können. Auch Maßnahmen wie das Umweltabzeichen oder eine klimaneutrale Schule sind nicht genug. Um Schlimmerem zu entkommen, müssen Maximalforderungen gestellt werden und die kapitalistischen und profitorientierten Klimasünder_innen in die Verantwortung gezogen werden. Deswegen: System Change, not Climate Change!

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Der Seiteninhaber muss die Version auf mindestens 7.3 erhhen.