Aktion kritischer Schüler_innen


AKS ad Presse: Grundsatzerlass Sexualpädagogik dringend notwendig!

22. April 2015

Betrifft: Die Presse, QUERGESCHRIEBEN vom 19.04.2015 „Sexualerziehung: Ein neuer Erlass, der an Kindesmissbrauch grenzt“

Wenn Dr. Walterskirchen in ihrem Kommentar behauptet, der neue Grundsatzerlass zu Sexualpädagogik „grenze an Kindesmissbrauch“, so zeigt diese genau die Notwendigkeit einer Auseinandersetzung mit Sexualität. Denn eine solche Bagatellisierung von sexualisierter Gewalt darf im Jahr 2015 nicht mehr salonfähig sein. Wie bei der Debatte zum neuen Sexualstrafrecht werden hier Grenzüberschreitungen verharmlost, den Opfern wird damit Unrecht getan, und gleichzeitig wird eine begrüßenswerte Reform einem Gewaltakt gleichgesetzt.

Man würde meinen, von einem selbsternannten Qualitätsmedium wie „Die Presse“ eine sachliche und sensible Berichterstattung erwarten zu können. Stattdessen werden polemisierte Kommentare veröffentlicht und an keiner Stelle kritisiert. Es wird Verfechter_innen konservativer bis rechter Ideologien unkommentiert Platz gegeben. Und ganz nach österreichischer Manier kommen genau diejenigen nicht zu Wort, die es eigentlich wirklich betrifft: die Schülerinnen und Schüler.

Der neue Grundsatzerlass zu Sexualpädagogik ist ein längst überfälliger Schritt österreichischer Schulen ins 21. Jahrhundert.

Heterosexualität wurde bisher in der Schule als Norm dargestellt, während Homo- & Bisexualität (sofern diese überhaupt benannt wird) teilweise noch immer im selben Atemzug wie Geschlechtsverkehr mit Tieren genannt werden.
Schulbücher liefern unzureichend Informationen zu verschiedenen Sexualitäten und Identitäten. Wird über Sex geredet, so stehen aktuell Krankheiten und Fortpflanzung im Vordergrund. So kann Unterricht in einer aufgeklärten Gesellschaft nicht aussehen!
Menschen, die nicht heterosexuell sind oder sich nicht mit ihrem bei der Geburt zugeordneten Geschlecht identifizieren, existieren – immer und überall! Ja, ob Sie es wahrhaben wollen oder nicht, auch in der Schule! Und sie sind es, die unter einem Familien- und Gesellschaftsbild, wie es von Dr. Walterskirchen propagiert wird, leiden müssen. Sie werden Opfer verbaler und physischer Attacken, sie sind in ihrem Schulalltag täglicher Angst ausgesetzt.
Der derzeit vorherrschende Aufklärungsunterricht bietet Schüler_innen keine Chance, einen positiven Zugang zu ihrer eigenen Sexualität und ihrem eigenen Körper kennenzulernen.

Eine Gesellschaft, in der alle gleichberechtigt und gleichwertig behandelt werden, beginnt in der Schule. Der Grundsatz zu Sexualerziehung bietet die Möglichkeit, viel mehr über sich selbst und andere zu lernen. Er soll helfen, angstfrei und gemeinschaftlich zusammenzuleben und alle Formen von Sexualität und Identität zu respektieren.

Die Aktion kritischer Schüler_innen bietet seit Jahren Workshops in Schulen an, unter anderem auch zum Thema Anti-Homophobie. Gerne unterbreiten wir dieses Angebot auch Frau Dr. Walterskirchen sowie allen anderen interessierten Vertreter_innen einer heteronormativen Schule und Gesellschaft.

Katharina Gärtner
Bundesfrauensprecherin der Aktion kritischer Schüler_innen