Aktion kritischer Schüler_innen


Behindert ist man nicht, behindert wird man!

3. Dezember 2014

Heute ist der internationale Tag der Menschen mit Behinderung, der 1993 von den Vereinten Nationen ausgerufen wurde. 2006 wurde die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen verabschiedet, die Österreich 2008 ratifizierte. Diese schreibt vor, dass Menschen mit Beeinträchtigungen nicht diskriminiert werden dürfen. Das bedeutet, dass sie am Arbeitsmarkt, in der Politik, in der Justiz, in der Schule und in allen anderen Lebensbereichen die gleichen Chancen bekommen und die Möglichkeit haben, ein eigenständiges Leben zu führen.

Sechs Jahre hatte Österreich jetzt Zeit, diese Anforderungen umzusetzen, in vielen Bereichen hinken wir hinterher. So ist zum Beispiel der barrierefreie Zugang zu öffentlichen Gebäuden und Verkehrsmitteln noch immer nicht vollständig gegeben.

Diskriminierung am Arbeitsmarkt

Außerdem haben sich die Arbeitslosenzahlen von beeinträchtigten Menschen in den letzten Jahren deutlich stärker erhöht, als die der Durchschnittsbevölkerung. Eigentlich sind Unternehmen verpflichtet, beeinträchtigte Menschen einzustellen, doch sie können sich durch eine Ausgleichstaxe freikaufen. Um durch diese Taxe wirklich Zugang zum Arbeitsmarkt für beeinträchtigte Menschen zu schaffen, muss sie erhöht werden. Unternehmen müssen endlich wirklich in Verantwortung gezogen werden.

Diskriminierung in der Schule

Ein großes Problem ist die Diskriminierung von Beeinträchtigten im Bildungssystem, die auch die späteren Chancen am Arbeitsmarkt maßgeblich beeinflusst.

Genau vor einem Monat hat ein Gutachten der Universität Innsbruck ergeben, dass Österreich mit dem Sonderschulmodell (Trennung in Sonderschule und Volksschule/Hauptschule/Neue Mittelschule/Gymnasium) gegen die UN-Konvention und somit gegen Völkerrecht verstößt. Trotzdem wurde in Innsbruck erneut eine Sonderschule eröffnet. Österreichweit wird ein Großteil der Kinder und Jugendlichen mit Beeinträchtigungen in diesen Sonderschulen unterrichtet, wodurch sie von Anfang an von der Gesellschaft ausgeschlossen werden. An vielen Schulen ist Inklusion oft auch deswegen nicht möglich, weil das Schulgebäude nicht barrierefrei zugänglich ist. Das Bildungsministerium will die vollständige Inklusion von Kindern mit Beeinträchtigungen bis 2020 erreichen, allerdings werden dafür kaum finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt. In Klassen mit bis zu 25 Kindern und nur zwei Lehrpersonen kann unmöglich inklusiver Unterricht stattfinden, der die Förderung aller Schüler_innen garantiert. Davon abgesehen reicht die derzeitige Lehrpersonenausbildung im Bereich Inklusion bei weitem nicht aus. Die meisten Lehrer_innen wissen nicht, wie sie mit Kindern mit Beeinträchtigungen umgehen sollen, außerdem gibt es viel zu wenig Unterstützungspersonal an den Schulen.

Ein Blick in die Zukunft

Die AKS fordert seit Jahren die Gesamtschule für alle 6 bis 14-Jährigen. In dieser gemeinsamen Schule kann auf die Bedürfnisse aller Schüler_innen eingegangen werden. Um das zu ermöglichen, muss genügend Geld zur Verfügung gestellt, die Ausbildung für Lehrpersonen verbessert und alle Schulgebäude barrierefrei gebaut bzw. umgebaut werden. Zusätzlich muss in der Schule thematisiert werden, welche Ausgrenzungsmechanismen es in der Gesellschaft gibt und wie diese funktionieren. Die Schüler_innen müssen für Diskriminierung sensiblisiert werden, um aktiv dagegen ankämpfen zu können. Beeinträchtigte Menschen dürfen nicht weiter stigmatisiert und ausgegrenzt werden. Denn behindert ist man nicht, behindert wird man!