Aktion kritischer Schüler_innen


Kein Vergeben, kein Vergessen! – 76 Jahre nach der Reichspogromnacht

9. November 2014

Vor 76 Jahren wurden in der Nacht von 9. auf 10. November 1938 im Dritten Reich Synagogen niedergebrannt, mehr als 7000 Geschäfte jüdischer Besitzer_innen zerstört, über 30.000 Jüdinnen_Juden in Konzentrationslager deportiert und laut historischen Ermittlungen bis zu 400 Menschen von den Nationalsozialisten und Nationalsozialistinnen ermordert. Die Massenmorde an Jüdinnen_Juden und anderen Minderheiten im Nationalsozialismus dürfen niemals vergessen werden, niemals vergeben werden!

Im Geschichteunterricht haben wir sie meist als Reichskristallnacht kennengelernt, ein Begriff, der weder die Grausamkeiten beschreiben, noch ein historisch korrektes Bild liefern kann. Er stammt daher, dass auf den Straßen überall das Glas der zerbrochenen Fensterscheiben verschiedener jüdischer Gebäude herumlag, diese Vorstellung ist aber verharmlosend und verschleiert die Gräueltaten, die dahinterstehen. Daher wird heute vermehrt der Begriff Reichspogromnacht verwendet, was aber in unseren Schulbüchern bisher kaum angekommen ist. Pogrom bedeutet so viel wie „Ausschreitungen gegen verschiedene Minderheiten“, früher stand er ausschließlich für die Ausschreitungen gegenüber Jüdinnen_Juden.

Die offizielle Begründung für die systematischen Gewalttaten gegen Jüdinnen_Juden war, dass ein 17-jähriger Jude einen Legationsrat der deutschen Botschaft in Paris erschossen hatte. Dies kann aber nicht als tatsächlicher Auslöser betrachtet werden, denn dieser Tag wurde bereits lange vorher geplant. So wurden unter anderem Konzentrationslager ausgebaut und die NSDAP-Stellen im gesamten Dritten Reich im Vorhinein verständigt.
Antisemitismus war aber auch schon davor weit verbreitet und wurde durch die ständige Hetze gegen Jüdinnen_Juden immer schlimmer.

Verstärkt begann die schrittweise verstärkte Diskriminierung von Jüdinnen_Juden bis hin zu ihrer systematischen Ermordung im Jahr 1933, als Adolf Hitler nach seiner Ernennung zum Reichskanzler die Demokratie aushebelte und sich selbst zum Diktator machte. Er erließ verschiedene Gesetze, die Jüdinnen_Juden komplett aus dem kulturellen und öffentlichen Leben ausschlossen, damit einher ging die manipulative Propaganda der NSDAP. 1935 wurden die Nürnberger Gesetze erlassen, die das „deutsche Blut“ schützen sollten. Jüdinnen_Juden konnten keine deutschen Staatsbürger_innen mehr sein und wurden somit nicht mehr als Menschen betrachtet, man konnte mit ihnen machen, was man wollte. Gewalttaten gegen Jüdinnen_Juden mehrten sich, es kam zur Bildung von Ghettos und Deportation in Konzentrationslager. Über 6 Millionen Menschen fielen dem Holocaust zum Opfer, sie wurden erschossen, vergast oder verhungerten in Konzentrationslagern oder Ghettos.

Damit das nie wieder passiert, müssen wir uns erinnern, die Augen offen halten und aufstehen, wenn wir Rassismus und rechte Hetze beobachten. Denn gerade jetzt, in einem Europa, das noch immer mit der Weltwirtschaftskrise zu kämpfen hat, erstarken rechtsextreme Parteien. Eine Umfrage im Mai 2014 ergab, dass sich in Österreich 29 Prozent der Menschen einen „starken Führer“ wünschen würden. Das ist insofern besonders erschreckend, als bei der letzten Umfrage im Jahr 2008 „nur“ 20 Prozent diesen Wunsch äußerten, 1999 15 Prozent.

In Österreich sind die FPÖ und ihre Jugendorganisationen bekannte Beispiele für rechte Parteien, doch Organisationen wie die neue Bewegung der Identitären werden oft nicht als gefährlich erkannt. Sie verbreiten ihre Hetze unter dem Deckmantel des sogenannten Ethnopluralismus, der davon ausgeht, dass alle Völker zwar das Recht haben, zu existieren, jedoch nicht vermischt werden dürfen. Diese Einstellung bewirkt Fremdenhass und zieht vor allem junge Menschen an, die mit der Politik unzufrieden sind. Politikverdrossenheit ist verständlich, denn Probleme wie steigende Jugendarbeitslosigkeit, unbezahlte Praktika und unterfinanzierte Bildungseinrichtungen gibt es genügend. Doch kann eine Hinwendung zu rechtem Gedankengut niemals der richtige Weg sein, um diesen Problemen entgegenzuwirken! Die Vergangenheit zeigt, dass rechte Politik und Fremdenhass nur Schaden anrichten. Ein verheerendes Beispiel sind die Ereignisse der Nacht von 9. auf 10. November 1938. Darum äußern wir laut unsere Stimme bei Rassismus und populistischer Hetze! Kein Vergeben, kein Vergessen!